Alte
Geschichten |
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Von
/ über |
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nacherzählt
vom Rupert |
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| Bemerkungen/Ergänzungen höchst erwünscht ... | ||
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Man
müsste Klavierspielen können ...
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...
oder zumindest einen kennen, der’s kann |
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| In
der Spätphase des Aufenthalts in dieser unserer Anstalt versuchte
so mancher die Grenzen, die man als streng interpretieren konnte, etwas
aufzuweichen.
Weshalb sollte man nicht noch etwas länger aufbleiben oder gar außer
Haus gehen können wie erlaubt? Kurzum gedacht, geplant, getan. Zur Vorbereitung gehörte, im Alkoven das Bett als belegt herzurichten, und im 1. Stock im ersten Klassenraum das vordere Fenster zu öffnen und dann zuzudrücken, so dass es einen geschlossenen Eindruck machte. Dazu bedurfte es eines Klavierspielers, denn die hatten einen Schlüssel für den Raum, dazu später mehr. Die „Exkursion“ begann zu einem Zeitpunkt, in dem man noch irgendwo offiziell das Haus verlassen konnte. Welche Aktivitäten genau stattfanden, entzieht sich meiner Erinnerung, auch wer damals dabei war weiß ich nicht mehr, er kann sich ja noch outen. Jedenfalls landeten wir in einer Wirtschaft jenseits der Alb, kurz bevor es den Berg zu den Sanatorien hinaufging. Hier wurde Karten gespielt und (mäßig!) Bier getrunken und die Freiheit genossen. Eine Rückkehr konnte erst spät ins Auge gefasst werden, da im Kolleg ja alle schon schlafen mussten. Das war ein weiteres Problem. Ich erinnere mich, dass wir dann in der Wirtschaft wegen Überschreitung der Polizeistunde bei einer Kontrolle zur Kasse gebeten wurden. Mit 5 DM kamen wir noch billig davon. Weit nach Mitternacht machten wir uns dann an die Rückkehr. Jetzt musste sich die Vorbereitung auszahlen. Gleich an der Ecke zum Südflügel gab es ein Fenster mit großartigem Gittervorbau, an dem wir hervorragend nach oben klettern konnten. Der Rest ging an dem Regenfallrohr entlang nach oben bis zum Fenster im ersten Stock. Wohl dem, der nicht zu sehr alkoholisiert war. Das Fenster wurde aufgedrückt und wir waren im Klassenraum. Der Klavierspieler oder einer, der den Klavierspieler kannte, hatte den Zimmerschlüssel dabei. So konnten wir nach Innen gelangen und mussten nur noch darauf achten, dass wir keinem Wache schiebenden Präfekten in die Arme liefen. Soweit meine Erinnerung. Es gab weitere „Exkursionen“ auch mit Hilfe eines Schlüssels zu einem Kellerfenster(Kartoffellager), die ich nur vom Hörensagen kenne. Ein Kamerad, der diese Ausflüge öfters machte, und den Verdacht auf sich zog, versteckte deshalb im WC außerhalb der eigentlichen Abteilung seinen Schlafanzug und kleidete sich nach der Rückkehr dann dort um. Dem auf der Lauer liegenden Präfekten konnte er so seine Unschuld beteuern. |
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13-Dez-2025
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